Veröffentlicht 6. Oktober 2026 | Version v1
Abschlussarbeit Offen

DBU Bericht Anti-Graffitischutz auf Metallen

Beschreibung

Restaurator*innen beschäftigen sich mit dem Erhalt von Kunst und Kulturgut, das sich sowohl in Museen oder Archiven wie auch als Kunstwerk oder (Bau-)Denkmal im öffentlichen Raum0F[1] finden kann. Letztgenannte Objekte sind in besonderem Maß Veränderungen ausgesetzt, wie z. B. der Beschädigung durch Graffiti. Die Sprühfarben, Stifte oder Kreiden können dabei originale Oberflächen substanziell beeinträchtigen, wodurch die Objekte auch in ihrer visuellen Wirkung gestört werden. Deshalb ist man um die Entfernung solcher Zutaten bemüht, wobei unterschiedliche, auf dem Markt erhältliche Schutzsysteme die Reinigung hierbei erleichtern sollen.

Bisher hat die Forschung vor allem den Schutz von porösen Oberflächen in der Baudenkmalpflege, bspw. von Steinoberflächen, in den Fokus genommen; Schutzanstriche auf glatten, unporösen Metalloberflächen haben hingegen bisher kaum Aufmerksamkeit erhalten. Das Forschungsprojekt soll diese Lücke schließen, indem es ein geeignetes Verfahren zum Schutz beschichteter und unbeschichteter Metalloberflächen im Außenbereich entwickelt. Dabei soll das Verfahren nicht nur einen wirksamen und dauerhaften Schutz durch mögliche Anstriche gewährleisten, sondern auch ein authentisches Erscheinungsbild im Sinne der Denkmalpflege bewahren und zugleich umweltverträglich sein. Entstanden ist das Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Vermögen und Bau Baden-Württemberg und dem Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart.

Ziel des Projektes war es, Empfehlungen aus Sicht der Konservierung-Restaurierung für die Anwendung von bestehenden Graffiti-Schutz-Systemen (d.h. Kombinationen von Schutzanstrichen und Reinigungsmethoden/-produkten) verschiedener Hersteller auf (un-)beschichteten Metalloberflächen zu entwickeln. Das Aufbringen von Schutzschichten wird niemals Schmierereien verhindern, doch sollten diese möglichst objektschonend im Sinne des Kulturguterhalts/Denkmalschutzes zu entfernen sein, um Objekte, Menschen und Umwelt zu schonen. Für Objekte aus unbeschichteten Metallen bedeutet dies, dass Oberflächenveredelungen wie Eloxierungen, Patinierungen, passivierende Korrosionen etc. nach der Entfernung von Graffiti erhalten bleiben sollten. Abrasive Methoden sind deshalb genauso kritisch zu prüfen wie die Verwendung von aggressiven Lösemitteln, die ihrerseits Korrosionen verursachen können. Bei beschichteten Metallobjekten ist die Herausforderung, einen Schutzüberzug aufzubringen, der sich mit dem vorhandenen Farbschichtpaket langfristig verträgt und den optischen Gesamteindruck nicht verfälscht.

Zu Beginn des Projekts wurden zunächst verschiedene Fallbeispiele der Stadt Stuttgart (13 Kunst- und Bauwerke) untersucht, um auf der Grundlage von häufig vorkommenden Substraten (Metallträgermaterialien und vorhandenen Farbbeschichtungen/Oberflächenbehandlungen) eine zweiteilige Testreihe aufzusetzen. Der erste Teil beinhaltete die Untersuchung von transparenten Anti-Graffiti-Schutz-Schichten auf unterschiedlichen, (un-)beschichteten Metallen inkl. Angaben zur Verarbeitung, optischen Erscheinung und Verhalten unter Freibewitterung. Dabei zeigte sich, dass es geeignete Produkte auf dem Markt gibt, die Herausforderung jedoch häufig darin liegt, dass die Materialien auf solche glatten Oberflächen schwer aufzubringen sind und die verschiedenen Arten von Anti-Graffiti-Schutz-Systemen sich unterschiedlich auf eben diesen Substraten unter Bewitterung verhalten. 

Im zweiten Teil ging es um die materialschonende Abnahme von unterschiedlichen Graffiti-Medien von den Prüfkörpern mit und ohne Schutzschicht. Dabei wurden Hochdruckwasserstrahlen, Trockeneisstrahlen, Kompressen mit Lösemitteln und spezielle, auf die jeweils aufgetragene Schutzschicht abgestimmte Reinigungsprodukte der industriellen Hersteller erprobt und miteinander verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass die getesteten Reinigungsmethoden je nach Art des aufgetragenen Graffiti-Mediums sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern, es in jedem Fall aber einfacher ist, Graffiti von Oberflächen mit Schutzschicht zu entfernen.

Aus der gesamten Testreihe geht die abschließende Einschätzung der Wirksamkeit der Anti-Graffiti-Schutz-Systeme selbst sowie die Bewertung für die Anwendung in der Restaurierung und Denkmalpflege hervor. Dazu wurde ein Katalog erstellt, der die Einzelauswertungen aller 40 Testplatten enthält und anhand dessen sich die Ergebnisse der Testreihe je nach Substrat, Anti-Graffiti-Schutz-Schicht, Graffiti-Medium oder Reinigungstechnik dezidiert ablesen lassen.

Dieser Abschlussbericht besteht aus zwei Dokumenten, die parallel zur Hand genommen werden können: dem hier folgenden Text- und Bildteil (1/2) und dem separaten Katalog mit der Detail-Auswertung jedes einzelnen Prüfkörpers (2/2).


[1] Kunst im öffentlichen Raum (KIÖR) beschreibt in der Regel alle öffentlich zugänglichen Bereiche und umfasst daher Flächen im Freien wie auch in Gebäuden. Im Zuge des Projekts wird der Begriff nur für Kunstwerke im Außenraum verwendet.

Dateien

2026-04_Abschlussbericht_38185_Teil-01.pdf

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